Fragen und Antworten

Eine junge Patientin hat mir für eine Hausarbeit “Schulmedizin vs. Homöopathie” folgende Fragen zur Beantwortung geschickt, die ich interessierten Lesern und Leserinnen hiermit gerne zur Verfügung stelle.

 

F: Sind homöopathische Mittel in jedem Alter und jedem Gesundheitszustand anwendbar?
A: Das Lebensalter spielt bei der homöopathischen Behandlung keine Rolle. Es kann bereits in der Schwangerschaft behandelt werden bis auf dem Sterbebett. Wenn kein lebensbedrohlicher Zustand, sowie keine Zeichen dafür sprechen, dass dringend eine schulmedizinische Behandlung oder Abklärung von med. Parametern erforderlich ist, spricht nichts gegen eine Behandlung.

 

F: Was hat es mit der so genannt “Erstverschlimmerung” auf sich ?
A: Die Erstverschlimmerung ist eine nicht zwangsläufig auftretende Reaktion auf das gegebene Mittel. Da ein Mittel ja genau genommen die zu heilende Krankheit bzw. deren Symptome erzeugen kann, ist es so etwas wie eine Überreaktion – ein Zeichen, dass der Körper sich mit der Erkrankung auseinandersetzt. Dies tritt z.B. bei Hauterkrankungen eher auf, als beispielsweise bei akuten Infekten. Eine  Erstverschlimmerung ist nicht immer angenehm, aber ein Zeichen , dass etwas in Gang kommt.

 

F: Wann sollte diese “Erstverschlimmerung” nachlassen und die Wirkung der Mittels eintreten ?
A: Bei akuten Erkrankungen möglichst rasch bzw. innerhalb von Stunden. Bei chronischen Erkrankungen kann es Tage dauern, aber nach meiner Erfahrung nicht länger als ca.  1 Woche nach Verabreichung des Mittels.

 

F: Wirken homöopathische Mittel genauso schnell und zuverlässig wie “schulmedizinische” Medikamente?
A: Zum Teil wirken sie schneller und zuverlässiger. Dies ist natürlich vom Fall abhängig. Wenn das richtige Mittel gewählt wurde, auf jeden Fall sowohl als auch.

 

F: Woran erkennt man überhaupt, dass ein Behandler das richtige Mittel herausgesucht hat?
A: In einer akuten Situation an der schnellen Genesung, oder der alsbaldigen Verbesserung der Symptome im chronischen Fall. Allerdings ist das Ganze etwas komplexer als es interessierte Laien, die sich mit Populärliteratur zum Thema befassen und sich versuchsweise selbst oder auch andere behandeln wahrhaben wollen. Man kann durchaus Fälle auch homöopathisch regelrecht vermasseln. Eine (Weiter-) Behandlung kann dadurch erschwert oder sogar unmöglich gemacht werden.

 

F: Wo liegen die Grenzen einer homöopathischen Behandlung ?
A: Zunächst darin, dass ein Patient uns Homöopathen für die Behandlung wichtige oder notwendige Informationen vorenthält, oder / und sich nicht an unsere Anweisungen hält. Bei nicht heilbaren Erkrankungen  kann die Homöopathie durchaus Verbesserungen im Befinden bewirken. Bei chronischen Erkrankungen ist vor allem die Vorgeschichte bzw. Vorbehandlung von großer Bedeutung. Bei starken psychischen Erkrankungen (obwohl Hahnemann auch solche behandelt hat) würde ich auch Handlungsbedarf in psychotherapeutischer Richtung für angezeigt halten.

 

F: Wann muss ein Arzt aufgesucht werden ?
B: In allen lebensbedrohlichen oder akut schulmedizinisch zu behandelnden Fällen. Und wenn bestimmte abklärende Untersuchungen erforderlich sind.

 

F: Wo liegen die Vorteile in der Homöopathie gegenüber der Schulmedizin?
A: In erster Linie darin, dass homöopathische Mittel keine Nebenwirkungen haben.

 

F: Muss die Homöopathie additiv zur Schuldmedizin gesehen werden?
A: Grundsätzlich nicht – nur ist die so genannte Schulmedizin nicht wegzudenken und absolut vorrangig. Das Grundlagenwissen der Schulmedizin ist schließlich auch die Basis anderer Heilverfahren. Leider ist nach wie vor nur in Einzelfällen eine Zusammenarbeit mit Schulmedizinern möglich, was in Anbetracht der Möglichkeiten im Sinne des Patienten sehr bedauerlich ist. Das was wir als Schulmedizin bezeichnen, ist eng an die Interessen der Pharmaindustrie gekoppelt, und so wird auch in Zukunft jede weitere Gesundheitsreform nicht wirklich darauf hinauslaufen, dass alles was möglich ist ausgeschöpft wird und Kosten gesenkt werden.

 

F: Schulmedizin als “Symptomkiller” und Homöopathie als individuelle, maßgeschneiterte Einzeltherapie, die die Ursachen des Patienten sucht?
A: Die Schulmedizin hat einen völlig anderen Ansatz, obwohl sie in den Anfängen sehr viel umfassender war. Die Homöpathie ist in der Tat darauf ausgerichtet die ganz individuellen Symptome des Patienten zu erfassen und für jeden einzelnen Fall das geeignete Mittel zu finden. So kann es sein, dass zwei Patienten mit fast identischen Beschwerden trotzdem unterschiedliche Mittel benötigen.

 

F: Wie kann es sein, dass die Wirksamkeit mit einer immer höheren Potenz – und dem daraus resultierenden immer geringeren Wirkstoffgehalt – zunimmt?
A: Die Wirksamkeit ist nicht eine höhere wie bei niedrigen Potenzen, denn eine C 30 (bei den klassischen Homöopathen eher eine niedrige Verdünnung) wirkt ja genauso präzise. Je höher die Verdünnung, um so tief greifender wirkt das Mittel. Das ist schwer zu verstehen und basiert zum Teil auf Erfahrung. Höhere Potenzen wirken länger und tiefer, denn in erster Linie geht es um die Information die ein Mittel im Organismus setzt.

 

F: Ist der “Glaube” an die Homöopathie notwendig, um eine Wirkung zu garantieren oder ist dies nur ein Mythos? Wenn der starke Glaube wirklich eine Rolle spielt, wie lässt es sich dann erklären, dass die Homöopathie auch bei Tieren funktioniert?
A: Die Frage beantwortet sich selbst mit der zweiten Frage: Beim Menschen spielt natürlich die Ratio eine Rolle. Wenn sich jemand gar nicht behandeln lassen will, wird es schwierig, aber glauben muß man wirklich nicht daran. Homöopathie hat weder mit Glauben noch mit Hokuspokus zu tun.

 

F: Wie ist die Wirksamkeit der Homöopathie zu belegen ?
A: Das ist das Problem. Der wissenschaftliche Beweis konnte bislang nicht erbracht werden, und deshalb gibt es immer noch (nach 200 Jahren) genügend Gegner und Skeptiker und immer wieder heftige Anfeindungen gegen die Homöopathie – wie auch in letzter Zeit. Man muss davon ausgehen, dass die Kritik und die Angriffe gegen die Homöopathie zu einem großen Teil von der Lobby der Pharmaindustrie gesteuert werden. Mit der Homöopathie ist halt nicht so viel Gewinn zu machen.